Leistungsdiagnostik-Befund lesen: die Werte verständlich erklärt

VO2max, VT1, VT2, Fatmax, RER und Ruheumsatz: So liest du deinen Befund aus der Leistungsdiagnostik Zeile für Zeile und siehst, was für dein Training zählt.

BeInMotion Team5 Min. Lesezeit

Von den vielen Zahlen im Befund zählen fürs Training nur wenige. Unser Beispiel ist ein Radtest mit Spiroergometrie, also mit Messung der Atemluft. Dein Befund kann anders aufgebaut sein und andere Begriffe verwenden.

VO2max oder VO2peak

Ganz oben steht meist die maximale Sauerstoffaufnahme, im Beispiel 50,3 ml/kg/min bei 73 kg Körpergewicht, also etwa 3,67 l/min. Der Wert in ml/kg/min bezieht sich auf dein Gewicht am Testtag, der in l/min gilt für den ganzen Körper.

VO2peak bedeutet, dass die Sauerstoffaufnahme am Testende kein sichtbares Plateau erreicht hat. Das ist häufig und kein Fehler, der Wert ist dann die höchste gemessene Sauerstoffaufnahme. Wie er sich zur Anzeige deiner Uhr verhält, erklärt VO2max: Uhr vs. Labor.

Die Schwellen VT1 und VT2

Die beiden Schwellen sind die wichtigsten Werte für dein Training. Im Beispiel liegt VT1 bei 150 Schlägen pro Minute und 185 Watt, VT2 bei 173 Schlägen und 245 Watt. Beim Laktattest heißen sie meist LT1 und LT2, manchmal aerobe und anaerobe Schwelle.

  • VT1 ist der Übergang von sehr lockerer zu mittlerer Belastung. Darunter kannst du lange und entspannt trainieren.
  • VT2 ist der Übergang zu harter Belastung. Darüber ermüdest du deutlich schneller.
  • Zu jeder Schwelle gehören meist eine Herzfrequenz und eine Leistung, also Watt auf dem Rad oder Geschwindigkeit auf dem Laufband.

Die Herzfrequenz nutzt du in jeder Einheit, die Wattwerte vor allem mit Leistungsmesser oder Smarttrainer. Hintergrund in VT1 und VT2 erklärt.

Maximale Herzfrequenz und Ruhepuls

Die maximale Herzfrequenz liegt im Beispiel bei 188, dem höchsten Puls im Test. Hast du vor der völligen Erschöpfung aufgehört, kann dein echtes Maximum etwas höher liegen, beim Laufen oft auch ein paar Schläge höher als auf dem Rad. Der Ruhepuls von 52 wurde vor dem Test gemessen. Er schwankt mit Schlaf, Stress und Aufregung und spielt für die Trainingssteuerung kaum eine Rolle.

Fatmax und Fettverbrennung

Fatmax ist die Belastung, bei der du im Test am meisten Fett pro Minute verbrannt hast, im Beispiel 135 Schläge und 159 Watt. Sie liegt wie meistens unter VT1, lockeres Training deckt sie also ohnehin ab. Ein Grund, nur noch in diesem Bereich zu trainieren, ist sie nicht.

Manche Befunde zeigen pro Stufe, wie viel Prozent der Energie aus Fett und wie viel aus Kohlenhydraten stammt. Diese Werte werden aus der Atemluft berechnet, gelten nur unter Testbedingungen und hängen stark von der letzten Mahlzeit ab.

RER: das Verhältnis der Atemgase

RER steht für Respiratory Exchange Ratio, auf Deutsch respiratorischer Quotient: ausgeatmetes Kohlendioxid geteilt durch aufgenommenen Sauerstoff. Um 0,7 verbrennst du überwiegend Fett, um 1,0 überwiegend Kohlenhydrate. Im Beispiel liegt der RER in Ruhe bei 0,81, einer Mischung aus beidem. Am Testende liegt er oft über 1,1, ein Zeichen, dass du bis an deine Grenze gegangen bist.

Atemminutenvolumen

Das Atemminutenvolumen (VE) ist die Luftmenge, die du pro Minute ein- und ausatmest. Es knickt an VT1 und VT2 sichtbar nach oben ab, daraus werden die Schwellen bestimmt. Fürs Training brauchst du den Wert selbst nicht.

Ruheumsatz: gemessen oder berechnet

Manche Labore messen vor dem Belastungstest über die Atemluft deinen Ruheumsatz, also wie viele Kalorien dein Körper in Ruhe verbraucht. Im Beispiel sind es 1994 kcal pro Tag. Daneben steht oft ein Formelwert aus Alter, Größe, Gewicht und Geschlecht, hier 1880 kcal. Kleine Abweichungen sind normal. Für die Ernährungsplanung ist der gemessene Wert meist die bessere Grundlage, Schlaf, Aufregung oder eine Mahlzeit kurz vorher können ihn aber beeinflussen.

Erholung der Herzfrequenz

Einige Befunde zeigen, wie schnell dein Puls nach der Belastung sinkt, etwa nach einer Minute. Ein deutlicher Abfall gilt als gutes Zeichen. Weil der Wert davon abhängt, ob du locker weitergetreten oder stehen geblieben bist, vergleichst du ihn am besten nur mit früheren Tests beim selben Anbieter.

Die Tabelle mit den Trainingsbereichen

Am Ende steht meist eine Tabelle mit drei, fünf oder mehr Trainingsbereichen, oft mit Namen wie Grundlage 1, Grundlage 2, Entwicklungsbereich oder Spitzenbereich. Welche Einteilung sinnvoll ist, erklärt Trainingszonen: 3 oder 5 Zonen. Aus den Schwellen im Beispiel ergeben sich drei Bereiche:

  • Locker: unter 150 Schlägen beziehungsweise unter 185 Watt.
  • Mittel: zwischen 150 und 173 Schlägen beziehungsweise zwischen 185 und 245 Watt.
  • Hart: über 173 Schlägen beziehungsweise über 245 Watt.

Wenn etwas nicht zusammenpasst

Befunde entstehen oft per Software und werden von Hand ergänzt. Typische Unstimmigkeiten sind meist harmlos:

  • Die Zonengrenzen liegen nicht genau auf VT1 oder VT2. Manche Labore setzen sie bewusst ein paar Schläge darunter oder rechnen mit Prozentwerten einer Schwelle.
  • Fett- und Kohlenhydratanteile ergeben nicht genau 100 Prozent, meist wegen Rundung oder weil der Eiweißanteil fehlt.
  • Tippfehler, etwa ein Puls, der nicht zur Wattzahl passt, oder überlappende Zonen. Im Zweifel gelten die Schwellenwerte, nicht die Tabelle.
  • Kurven sind nur als Bild eingefügt, die Zahlen dahinter fehlen. Für dein Training reichen die Schwellen.

Diese Werte zählen fürs Training

Für die Steuerung brauchst du die Herzfrequenz an VT1 und VT2 und deine maximale Herzfrequenz, mit Leistungsmesser auch die Wattwerte. Wie du sie auf die Uhr bringst, zeigen Pulszonen bei Garmin einstellen und Herzfrequenzzonen auf der Apple Watch einstellen. Die Umrechnung übernimmt der kostenlose Zonen-Rechner.

Den Befund in BeInMotion nutzen

Statt die Werte abzutippen, importierst du den Befund als Foto oder PDF. BeInMotion liest VO2max, beide Schwellen, maximale Herzfrequenz und Ruheumsatz aus und bildet daraus drei Bereiche: locker, mittel und hart. Bei jedem Wert siehst du, ob er aus dem Labor oder von der Uhr stammt. Hat deine Uhr einen höheren Maximalpuls gemessen als das Labor, gilt der Wert der Uhr.

Das Auslesen ist kostenlos. Die Zonen auf der Uhr trägst du selbst ein. Mehr auf Leistungsdiagnostik mit deiner Uhr verbinden.