VT1 und VT2 sind die zwei Werte aus einer Spiroergometrie, an denen du dein Training ausrichtest. Im Befund stehen daneben Herzfrequenzen, Geschwindigkeiten oder Watt.
Was VT1 und VT2 bedeuten
VT steht für ventilatory threshold, ventilatorische Schwelle. Gemeint ist ein Punkt, an dem sich deine Atmung bei steigender Belastung deutlich verändert. Bei der Spiroergometrie atmest du durch eine Maske, und ein Gerät misst Atemmenge, Sauerstoff und Kohlendioxid.
VT1, die erste Schwelle
Anfangs steigt deine Atmung gleichmäßig mit der Belastung. Ab VT1 atmest du etwas mehr, als der Sauerstoffbedarf verlangt, weil dein Körper zusätzliche Säure über die Atmung abpuffert. Darunter kannst du lange trainieren und dich gut unterhalten. Das ist der Bereich für Grundlagentraining.
VT2, die zweite Schwelle
Steigt die Belastung weiter, nimmt die Atmung an einem zweiten Punkt steil zu, und du sprichst nur noch in Satzfetzen. Das ist VT2, auch respiratorischer Kompensationspunkt oder RCP. Darüber kann dein Körper die Belastung nicht mehr stabil halten, je nach Trainingszustand hältst du sie eher Minuten als Stunden durch.
Wie VT1 und VT2 zu den Laktatschwellen passen
Beim Laktattest wird statt der Atemluft das Laktat im Blut gemessen, meist mit einem Tropfen aus Ohrläppchen oder Fingerkuppe. Auch dort gibt es zwei Übergänge:
- LT1, auch aerobe Schwelle oder AeT: Das Laktat steigt zum ersten Mal leicht über den Ruhewert. Sie liegt ungefähr bei VT1.
- LT2, auch anaerobe Schwelle, IAS oder ANS: Das Laktat steigt deutlich an und pendelt sich nicht mehr ein. Sie liegt ungefähr bei VT2.
Beide Paare beschreiben verwandte Vorgänge, werden aber unterschiedlich gemessen und bestimmt und können je nach Labor einige Schläge auseinanderliegen. Fürs Training behandelst du sie als erste und zweite Schwelle. Welche Methode zu dir passt, steht in Laktattest oder Spiroergometrie.
Auch die Begriffe aerob und anaerob vereinfachen: Dein Körper gewinnt Energie immer auf beiden Wegen, an den Schwellen ändert sich nur das Verhältnis.
So stehen die Schwellen im Befund
Meist findest du die Schwellen in einer Tabelle oder als senkrechte Linien im Diagramm, jeweils mit diesen Angaben:
- die Herzfrequenz an der Schwelle, zum Beispiel 164 Schläge pro Minute
- die Geschwindigkeit auf dem Laufband oder die Leistung in Watt auf dem Ergometer
- die Sauerstoffaufnahme an der Schwelle, oft als Prozent der VO2max, also deiner maximalen Sauerstoffaufnahme
- bei Laktattests der Laktatwert in mmol/l
Ein typischer Laufbandtest: VT1 bei 164 Schlägen pro Minute, VT2 bei 178, maximale Herzfrequenz 192. Welcher Wert welcher ist, erklärt Leistungsdiagnostik-Befund lesen.
Warum sich Zonen an den Schwellen ausrichten sollten
Viele Uhren rechnen Zonen als Prozent der maximalen Herzfrequenz. Bei einer Person liegt VT1 aber bei 75 Prozent des Maximums, bei einer anderen bei 85 Prozent. Mit denselben Prozentzonen trainiert die eine zu locker und die andere zu hart.
Dazu ändert sich der Maximalpuls durch Training kaum, die Schwellen schon. Wer regelmäßig trainiert, verschiebt sie nach oben. Zonen an den Schwellen wachsen mit, Zonen nach dem Maximalpuls bleiben stehen.
Gute Zonenmodelle legen ihre wichtigsten Grenzen deshalb auf VT1 und VT2, siehe Trainingszonen: 3 oder 5 Zonen. Der kostenlose Zonen-Rechner macht aus deinen Schwellen fünf Zonen für deine Uhr.
Laufen und Rad haben verschiedene Schwellen
Deine Schwellen gelten für die Sportart des Tests. Auf dem Rad liegt die Herzfrequenz an VT1 und VT2 meist einige Schläge niedriger als beim Laufen, weil vor allem die Beine arbeiten und du dein Gewicht nicht trägst. Der Unterschied reicht von wenigen bis zu deutlich mehr Schlägen. Teste deshalb in der Sportart, die du am meisten trainierst.
Wie BeInMotion deine Schwellen nutzt
Du importierst deinen Befund als Foto oder PDF, und BeInMotion liest VO2max, beide Schwellen, maximale Herzfrequenz und Ruheumsatz aus, egal ob dein Labor VT1 und VT2 oder LT1 und LT2 angibt. Bei jedem Wert siehst du, ob er aus dem Labor oder von der Uhr stammt. Aus den Schwellen bildet die App drei Bereiche: locker unter der ersten, mittel dazwischen, hart über der zweiten. So plant sie mit deinen gemessenen Werten statt mit einer Prozentformel.
Messungen, die älter als sechs Monate sind, markiert die App als veraltet und erinnert dich an einen neuen Test. Die Zonen auf deiner Uhr trägst du selbst ein.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Eine Leistungsdiagnostik bis zur Erschöpfung ist anstrengend. Wenn du Vorerkrankungen hast oder Medikamente nimmst, die den Puls beeinflussen, sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.