Deine Sportuhr zeigt eine VO2max, die nach einer guten Woche steigt und nach einem heißen Lauf fällt. Im Befund einer Spiroergometrie steht oft ein anderer Wert.
Was die VO2max ist
Die VO2max ist die größte Menge Sauerstoff, die dein Körper pro Minute aufnehmen und verwerten kann. Je höher sie ist, desto mehr Energie kann dein Körper mit Sauerstoff bereitstellen, deshalb gilt sie als einer der wichtigsten Ausdauerwerte.
Direkt messen lässt sie sich nur über die Atemluft, also mit einer Spiroergometrie. Du trägst eine Maske und steigerst die Belastung bis zur Erschöpfung, während ein Gerät bei jedem Atemzug die Sauerstoffaufnahme misst. Erreicht die Kurve am Ende kein sichtbares Plateau, steht im Befund VO2peak statt VO2max. In der Praxis ist der Unterschied meist gering.
Pro Kilogramm oder für den ganzen Körper
- Absolut in Litern pro Minute (l/min): wie viel Sauerstoff dein ganzer Körper aufnimmt, unabhängig vom Gewicht.
- Relativ in Millilitern pro Kilogramm Körpergewicht und Minute (ml/kg/min): die absolute Menge geteilt durch dein Gewicht. Uhren zeigen diesen Wert, weil er bei Sportarten wie Laufen, in denen du dein Gewicht trägst, mehr aussagt.
Vom relativen zum absoluten Wert kommst du, indem du mit dem Körpergewicht multiplizierst und durch 1000 teilst: 50,3 ml/kg/min bei 73 kg entsprechen etwa 3,67 l/min. Umgekehrt teilst du durch das Gewicht und nimmst mal 1000.
Nimmst du ab, steigt deine relative VO2max bei gleicher Ausdauer, nimmst du zu, sinkt sie. Vergleiche relative Werte nur, wenn du das jeweilige Gewicht kennst.
Wie deine Uhr die VO2max schätzt
Deine Uhr kann keinen Sauerstoff messen. Sie schätzt die VO2max aus dem Verhältnis von Herzfrequenz zu Tempo oder Leistung: Wer besser trainiert ist, hat bei gleicher Geschwindigkeit oder Wattzahl einen niedrigeren Puls.
- Beim Laufen nutzt die Uhr das GPS-Tempo und die Herzfrequenz aus Abschnitten, in denen du gleichmäßig und zügig genug unterwegs bist.
- Beim Radfahren braucht sie in der Regel einen Leistungsmesser, ohne Wattwerte gibt es oft keine Schätzung.
- Manche Uhren bieten Fitnesstests in Ruhe mit Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität (HFV) und Profildaten. Diese Schätzungen sind meist gröber.
- In alle Modelle fließen Alter, Geschlecht, Gewicht und maximale Herzfrequenz ein.
Die Hersteller legen ihre Rechnung nicht offen. Ihre Modelle beruhen auf Datensätzen, in denen Uhrdaten mit Labormessungen verglichen wurden, und stimmen im Mittel ordentlich, für dich allein aber nicht unbedingt.
Wie weit Uhr und Labor auseinanderliegen
Studien zu verschiedenen Uhren zeigen ein ähnliches Bild: Im Durchschnitt liegen die Schätzungen oft nur wenige Prozent vom Laborwert entfernt, im Einzelfall sind 10 Prozent und mehr häufig. Bei einer tatsächlichen VO2max von 50 ml/kg/min kann deine Uhr also zwischen 45 und 55 anzeigen. Größere Abweichungen haben meist einen dieser Gründe:
- Eine falsch eingestellte maximale Herzfrequenz. Viele Modelle setzen deinen Puls ins Verhältnis zum Maximum, ein falscher Wert verschiebt die Schätzung.
- Ungenaue Pulsmessung am Handgelenk, vor allem bei Intervallen, Kälte oder locker sitzender Uhr. Ein Brustgurt hilft oft.
- Hitze, Höhe, Gegenwind, Trails und Hügel. Dein Puls steigt, ohne dass du schneller wirst, und die Uhr hält das leicht für schlechtere Form.
- Sehr gut oder sehr wenig Trainierte, für die die Modelle meist ungenauer sind.
- Ein ungewöhnlicher, besonders sparsamer oder kraftraubender Laufstil.
Warum der Laborwert verlässlicher ist
Im Labor wird die Sauerstoffaufnahme direkt gemessen, mit vorher eingestelltem Gerät, kontrollierter Belastung und bis an deine Grenze. Tagesform und Testablauf sorgen auch hier für Schwankungen, die aber meist deutlich kleiner sind als die Unsicherheit einer Uhr.
Achte auf die Sportart: Auf dem Laufband liegt die VO2max bei den meisten etwas höher als auf dem Rad, weil mehr Muskulatur arbeitet. Zeigt deine Uhr einen Laufwert und stammt der Befund aus einem Radtest, sind einige Prozent Unterschied normal. Mehr zu den Testverfahren in Laktattest oder Spiroergometrie.
So nutzt du den Verlauf auf der Uhr
Der Verlauf über Wochen ist oft brauchbar, auch wenn der einzelne Wert danebenliegt. Die Uhr rechnet bei dir immer mit demselben Modell und denselben Sensoren, ihr Fehler bleibt also ungefähr gleich und Veränderungen werden sichtbar.
- Schau auf Wochen und Monate statt auf einzelne Tage. Schwankungen um einen Punkt sind normal.
- Vergleiche ähnliche Bedingungen. Ein flacher Lauf bei 15 Grad sagt mehr als ein Hügellauf bei 30 Grad.
- Halte Gewicht und maximale Herzfrequenz im Profil aktuell, sonst siehst du geänderte Einstellungen statt geänderter Form.
- Nutze den Laborwert als Bezugspunkt. Zeigt die Uhr zum Testzeitpunkt 54 und misst das Labor 50, liegt deine Uhr bei dir eher etwas zu hoch.
Das Labor liefert die genaue Standortbestimmung, die Uhr eine laufende, gröbere Rückmeldung. Wie oft ein neuer Test sinnvoll ist, steht in Leistungsdiagnostik: wie oft, Kosten, Vorbereitung.
Für dein tägliches Training zählen ohnehin die Schwellen, nach ihnen richten sich deine Zonen. Was VT1 und VT2 bedeuten, erklärt VT1 und VT2 erklärt.
Labor und Uhr in BeInMotion
Du importierst deinen Befund als Foto oder PDF, und BeInMotion liest unter anderem die VO2max aus. Bei jedem Wert siehst du, ob er aus dem Labor oder von der Uhr stammt, so verwechselst du Messung und Schätzung nicht. Das Gewicht aus dem Befund nutzt die App nur zum Umrechnen zwischen relativer und absoluter VO2max, nicht als dein aktuelles Körpergewicht.
Ist deine Messung älter als sechs Monate, markiert die App sie als veraltet und erinnert dich an einen neuen Test. Das Auslesen ist kostenlos, mit Plus bekommst du jede Woche einen Vorschlag für die nächste Trainingswoche. Mehr auf Leistungsdiagnostik mit deiner Uhr verbinden.